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Das Leid der Herdenschutzhunde ...

...geht im kommenden Jahr in die nächste Runde. Der Startschuss der Förderung für die Anschaffung von Herdenschutzhunden durch die europäische Kommission ab dem Jahre 2023 wird bereits jetzt überschattet von einem Ereignis, das für Aufsehen in ganz Österreich sorgte und – zumindest in kleinerem Rahmen – auch in Deutschland und der Schweiz traurige Bekanntheit erlangte.

Die Rede ist vom Herdenschutzhunde-Schutzhof der Familie Lippitz und des Vereines „Secure Base“ in dem 20 Herdenschutzhunde gehalten, betreut und umsorgt werden. Dem Verein bzw. dem Hof droht(e) das Aus, da Tierarztrechnungen, seit dem Beginn des Ukraine Krieges konstant steigende Futterkosten und schlussendlich eine Rückforderung von Corona-Hilfen eine Insolvenz unabwendbar erscheinen ließen.

(Link)

Für die schutzbefohlenen Hunde würde dies die Euthanasie bedeuten, da eine Unterbringung solcher Hunde mit ihrem speziellen Wesen und Anforderungen in „handelsüblichen Tierheimen“ kaum möglich ist.


Zwischenzeitlich scheint sich hier jedoch eine Art kleines Weihnachtswunder anzubahnen, da die Kronen-Zeitung den Fall aufgegriffen und an deren über 2 Millionen Leser einen Spendenaufruf verföffentlichte - und auch die Firma „Fressnapf“ Österreich die vorläufige Finanzierung von Futter zugesagt hat.

Was diesen Vorgang darüber hinaus so erwähnenswert macht, ist die Tatsache, das aktuell die europäische Union offenbar die Anschaffung und Haltung von Herdenschutzhunden mit 700.- Euro pro Jahr und Tier (Höchstzahl fünf Hunde pro Betrieb) fördern will.

Hierzu hat die Leiterin des Herdenschutzhunde-Schutzhofes eine Meinung, die im diametralen Widerspruch zu den Aussagen der Wolfsvermarkter, Wolfsprofiteuren oder anders: den Aussagen all derer steht, die aus was für Gründen auch immer, europäische Kulturlandschaften mit fleischfressenden Großraubtieren und - teils nicht minder gefährlichen Hunden - geflutet sehen möchten. Zitat Sissy Lippitz:


„Alle ihrer Tiere gehören nicht nach Österreich, sondern in die Mongolei oder andere menschenleere Gegenden. […] Auf einer Weide, wo am Tag 20 Wanderer vorbeigehen, wird das nicht funktionieren. In Ortschaften mit vielen Nachbarn kann es nicht funktionieren. Wenn diese Hunde Gefahr wittern, bellen sie, und sie bellen lange.“



Eine Meinung der man sich anschließen kann – und die man vielleicht noch um folgende Überlegungen ergänzen sollte: Betriebe, die sich zum Einsatz von Herdenschutzhunden entscheiden, erhalten zwar noch weitere, unterschiedliche oder auch gar keine Förderung - dies hängt vom Bundesland ab.

Doch selbst mit dieser Förderung ist der Einsatz ein kalkulatorisches Risiko, da auch diese Hunde krank werden können oder sich im Einsatz auch durchaus verletzen können - und irgendwann einmal, altersbedingt, nicht mehr einsatzfähig sein werden.

(Der Verfasser dieser Zeilen kann, was Tierarztkosten angeht, mitreden, da er unlängst aus privaten Mitteln die Operation eines Tierheimhundes bezahlt hat. Ein gebrochenes Bein kann schnell 2.300 Euro kosten...)

Blättert man beispielsweise durch die Risslisten des deutschen LFU (Bundesland Brandenburg) oder des NLWKN (Bundesland Niedersachsen) so findet man übrigens immer wieder einmal verletzte oder auch getötete Herdenschutzhunde.

Denn - die Theorie unserer Wolfsprofiteure, die ja besagt, das der bellende Hund hinter dem „wolfsabweisenden Zaun“ den Wolf vertreiben würde, ist vor allem eines: eine längst widerlegte Therorie.


Aus persönlichen Gesprächen mit Schäfern in der Mark Brandenburg weiß ich, das Wölfe ihr Rudel in Fällen der Herdenschutzhundpräsenz hinter einem Zaun ganz einfach aufteilen. Zwei beschäftigen die Hunde vor dem Zaun, der Rest überspringt den Zaun an anderer Stelle und holt sich die Schafe. So geht Arbeitsteilung. Zitat meines Gesprächspartners:

Hunde, die einen solchen Film mitmachen müssen, sind nach sechs Monaten psychisch so durch, das sie nicht mehr einsatzfähig sind.

Bei freilaufender Herde und Hund mag es dann eher zur direkten Konfrontation zwischen Hunden und Wölfen - mit offenem Ausgang - kommen, es kommt aber eben auch zu den Kollateralschäden der Wiederverwilderung unserer Kulturlandschaften, die für eine italienische Studentin im Jahre 2021 bereits tödlich endete.



Der hier gezeigte Herdenschutzhund konnte nach diversen Anzeigen, Schwierigkeiten mit Anwohnern, Polizei und Veterinäramt auf einem abgelegenen Hof untergebracht werden. Da an der Weide, die er schützen sollte, eine Hauptverbindungsstraße vorbeiführte, wurde dies nach einem Angriff auf eine Radfahrerin nötig. (Foto: privat)


Was es tierschutzrechtlich bedeutet, Hunde abzurichten autonom andere Wildtiere zu töten oder was es juristisch für den Halter bedeutet, die Situation herbeizuführen, das Kämpfe von Hunden gegen Wildtiere stattfinden, bei denen auch die Wildtiere verletzt oder getötet werden können, mögen Gerichte beurteilen....

moralisch… ist ein solches Vorgehen in jedem Falle zu verurteilen und mit folgendem, abschließenden Hinweis, der extrem wichtig erscheint, zu versehen: In sämtlichen Förderrichtlinien taucht immer der Begriff der „Zertifizierung der Herdenschutzhunde“ auf.


Es gibt jedoch keine (!) in irgendeiner Form belastbaren, beispielsweise von der FCI erstellten Richtlinien, nach denen eine solche Zertifizierung stattfindet.

Sämtliche „Zertifizierungen“ sind von den Vereinen und Vereinchen, deren Mitglieder Herdenschutzhunde züchten und vermehren und schlussendlich Handel damit treiben, selbstverfasst!


So gibt es zwar Prüfungsordnungen für alle möglichen Arten des Gebrauchshundewesens – aber keine für Herdenschutzhunde.


Und mit diesem Wissen und dem Hinweis darauf, das momentan 50 (!) ausgemusterte oder unbrauchbare oder einfach nicht mehr gewollte Herdenschutzhunde auf der Warteliste zur Aufnahme auf dem Hof von Familie Lippitz warten – es können leider nur 20 Tiere vor Ort betreut werden – entlasse ich Sie nun in den Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages.


Sollten Sie den Verein Secure Base mit einer Spende unterstützen wollen, können Sie das hier: (Link)

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GEMMA WÄHLEN

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